Nur noch mit dem Zug in die Ferien

Trotz unsicherer Lage war das Jahr 2022 ein sehr gutes Reisejahr. Allerdings belastet die Reiselaune enorm unsere Umwelt. Der Ex-Vizepräsident der Schweizer Nationalbank, Jean-Pierre Danthine, fordert daher unmittelbar einen rapiden Verzicht.

Flugzeug, Aussicht vom Flughafen-Terminal.

Das sogenannte Krisenjahr ist nun vorbei, jede Menge neue Vorsätze sind gefasst. Viele Schweizerinnen und Schweizer haben das verlangen, sich nach so vielen unsicheren Monaten wieder einmal etwas mal zu gönnen. Beispielsweise eine Reise in ein anderes Land.
Jährlich nahm das Passagieraufkommen vor der Corona-Pandemie noch zu. Zwischen dem Jahr 2014 und dem Jahr 2019 wurde ein Plus von circa 23 % verzeichnet. Der Flughafen Zürich spricht fürs Jahr 2022 von etwa 22 Millionen Passagieren – anfänglich hatte man 20 Millionen erwartet. Man ist also noch nicht auf Vorkrisenniveau, darum versucht man in Kloten ZH neuerdings mit noch häufigeren Verbindungen zu locken, zum Beispiel nach Delhi, Hongkong oder Chicago, nach Saudi-Arabien, auf die Kanarischen oder nach Jordanien.
Das ist für die Reisebranche eine sehr gute Nachricht, bereitet allerdings Jean-Pierre Danthine (72) grosse Sorgen. Für die Initiative fordert er in einem Beitrag, dass man Umdenken solle. «Der Klimawandel ist längst Realität. In Bereichen, wo wir noch keine ausreichend nachhaltigen Alternativen haben, gibt es nur einen Weg: ernsthafter Verzicht. Vor allem beim Fliegen.»

Kompensation bringt kein Vorteile für die Umwelt

Dies ist ein eindeutiges Bekenntnis des international anerkannten Bankers Danthine. Er sagte: «Nur noch mit dem Zug in die Badeferien.» Doch kann das überhaupt funktionieren? Wie sieht es in der Winterzeit aus? Jean-Pierre Danthine macht sich da kaum Hoffnung. Andererseits sagt er: «Die Preise für Flugreisen sind viel zu tief.»
Er spricht von einer bedrohlichen CO2-Kompensation zur Schadensbegrenzung. « Das absolute minimum pro Tonne CO2 wären 100 Franken. Wir handeln ohne ein solches freiwilliges Eingeständnis nicht verantwortungsvoll.» Für einen Hin- und Rückflug von Zürich nach New York (USA) müsste man so, gemäss Berechnungen der Stiftung Myclimate, 200 Franken mehr zahlen – bei einem Ticketpreis von 600 Franken.
Die Swiss äussert sich wie folgt: «Pauschale Kompensationsforderungen bringen beim internationalen Luftverkehr keinen Klimanutzen.» Der Schlüssel liege vielmehr in nachhaltigem Flugzeugtreibstoff. Das Problem: «Aktuell ist dieser noch nicht in erforderlichen Mengen und zu marktfähigen Preisen verfügbar.»

Autorin: Sophie Pixis
«Nur noch mit dem Zug in die Ferien»

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